unsere Historie

Das Neusser Jägerkorps von 1823

Obwohl schon nachweislich die „Neusser Schützengesellen“ vor 1785 Formationen wie Grenadiere und Jäger aufwiesen, gilt für unser Korps wie auch für das Neusser Grenadierkorps 1823 als Gründungsjahr. Wahrscheinlich unter dem Eindruck der Feierlichkeiten der Kölner, so nimmt es der Verfasser von „Bürger und Bürgerssöhne“ Joseph Lange an, welche im selben Jahr das Komitee Kölner Karneval gründeten, schickten sich die Neusser an, ähnliches zu tun. Allerdings mit einem der Neusser angemessenen Hintergrund, nämlich der Errichtung einer Vogelschützen-Gesellschaft. Aus der Neusser „Jungesellen-Sodalität“, vergleichbar mit dem heutigen CVJM, bildeten sich 3 sog. Korps, Grenadiere, Jäger und Füsiliere. Letztere verschwanden leider recht schnell wieder aus dem Bild des Neusser Schützenfestes.

Zu Beginn des Neusser Bürger Schützenfestes in seiner Ursprungszeit, durften lediglich die Offiziere Uniformen der alten Bürgermilizen tragen. Als erste Uniform der Jäger wird angenommen, dass lediglich der übliche bäuerliche grüne Wams getragen wurde. Hierauf dann ein grüner Hut mit Feder und dreiblätterigem Eichenbruch, welcher auch heute noch den Hut der einfachen Jäger zieren. Die erste bildliche Darstellung der Neusser Jägeruniform findet sich auf den Festplakaten der Jahre 1841, 43 und 44, auf welchen zum ersten Male die Königsparade auf dem Neusser Markt aufgezeigt wird. Um ihr Fest zum Teil mit zu finanzieren, wurden die Chargen vergantet. d. h. meistbietend versteigert. Lediglich der Regimentsführer, in diesem Falle zum ersten und einzigen Mal, General Joseph Leuchtenberg wurde demokratisch gewählt. Erster nachgewiesener Major des Jägerkorps war Johann Joseph Schram, Spross der Nudel- und Stärkefabrikanten von der Brandgasse. Überdies war er gleichzeitig der Präfekt der Junggesellen Sodalität welche immerhin Ausrichter der Festlichkeiten war.

Auch wenn schon früh von Korps und Zügen, von Kompanien und Sektionen die Rede ist, darf man sich darunter keine festen Züge nach heutigem Muster vorstellen; Züge mit eigenem Namen entwickelten sich erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Vielmehr wurden nach militärischem Vorbild die Einheiten nach Körpergröße eingeteilt. Welchen Stellenwert das Neusser Jägerkorps bereits in den frühen Jahren seines Bestehens hatte, zeigt die Korpsspitze des Jahres 1834. Neben dem neuen Major Joseph Esser fungierte Louis, der älteste Sohn desdamaligen preußischen Landrats v. Bolschwing, als Hauptmann des Korps. Überhaupt waren es zumeist die „Jrön Jöngkes“ die unverheirateten Bürgersöhne, welche das Jägerkorps repräsentierten. War man verheiratet, hatte man Cut und Zylinder als Bekleidung zur Hochzeit und wechselte nun häufig zum Grenadierkorps.

Im Jubeljahr 1848 des Neusser Bürgerschützen Vereins verzeichnete sich ein neuer Major Everhard Dünbier, Wirt auf dem Büchel, ritt dem Korps voran. In diesem Jahr wurde das Regiment aufgrund des Jubiläums noch einmal von General Leuchtenberg befehligt. Honorige Neusser Bürgerinnen verehrten in diesem Jahr die Jubiläumsfahne von 1848, welche bis zum heutigen Tage dem Regiment vorangetragen wird. Außerdem fand in diesem Jahr auch der erste Jägerball statt! Nächster belegter Major war dann im Jahre 1851 ein gewisser Balduin Fischer, unter dem  im Korps der Jäger nun die neu gegründete Schützengilde mit marschierte.

Dass das Neusser Jägerkorps für Innovation steht, beweist ein Zeitungsartikel des „Neusser Intelligenz Blattes“ aus dem Jahr 1862, in welchem ein III. Jägerzug zum Löhnungsappell aufruft. Hier ist also anzunehmen, dass bereits früher, als bis dato angenommen gespart wurde um die Kirmes zu feiern, und dies nicht eine „Erfindung“ der Grenadiere, etwa 20 Jahre später war. Es finden sich noch zwei Majore in der Historie des Korps bevor es feststehende Amtszeiten gab. Diese waren Johann Esser im Jahr 1868 und 1874 Franz Waiß. 1875 wurde mit Jakob Urbach ein Major eingesetzt, welcher sich mit Pauken und Trompeten ins Amt einführte. In seltener Einmütigkeit mit dem Grenadiermajor Anton Matheisen setzte er in einer Versammlung am 28. November des Jahres das Komitee ab, weil dieses trotz zweimaliger Aufforderung nicht den Statuten gemäßen Pflichten wie Rechnungslegung und Neuwahl des Komitees nachgekommen war.

Obwohl bereits 1868 von Trinkhörnern welche dem Labsal der Marschierer dienten, im Jägerkorps berichtet wurde existiert erst aus1883 eine namentliche Benennung eines Hönes, Josef Röseler, damals 18 Jahre alt und der kleinste Schütze im Jägerzug des Gesellenvereins. Von eben diesem Hönes stammt auch die Überlieferung, wie es zur Entstehung der Blumenhörner kam. Im Jahre 1884 sollte sein Zug ein neues Horn erhalten, dieses wurde jedoch nicht rechtzeitig fertig. Es fehlte der, meist reich verzierte, silberne Deckel, welcher das mitgeführte Bier vor dem heraus schwappen hinderte. Meister Denecke, der Hersteller des Horns wusste Rat: Behelpt öch dies Kehr möt e Pütschke Blome on en Kookespetz.(Behelft euch für dies eine Mal doch mit einem Strauß Blumen und einer Kuchenspitze….!) Aus dem alten Brauch der Trinkhörner ist auch das Tragen eines Bierkruges statt des Pulverhorns bei den Hönessen zu verstehen. Einem Hönes als Schützenkönig verdanken wir auch die Einführung der Hönesparade. Als Bernhard Koch im Jahre 1951 Schützenkönig war, wurde ihm zu Ehren dieses einzigartige Schauspiel zuteil, welches heute nicht mehr aus dem Bild des Neusser Bürger-Schützenfestes weg zu denken ist. Diese Art und Weise, die Zuschauer der Festumzüge mit einem bunten Blumenbild zu begeistern fand mittlerweile auf Schützenfesten in nah und fern zahlreiche Nachahmer.

Da die Züge bis ins späte 19. Jahrhundert immer nach Größe der Marschierer eingeteilt wurden, wurden sie immer nur nach Nummern benannt. Dies änderte sich etwa zu Beginn der achtziger Jahre des 19. Jh. „Hermann Löns“ oder „Wildbach“ waren Namen die sich nun die Freunde gaben welche als Zuggemeinschaft fest zusammenbleiben wollten. Da sich die Züge zumeist aus unverheirateten jungen Männern zusammensetzten hatte unser Korps in Frühzeiten bis ins 20. Jh. hinein nie mehr als 12 – 15 Züge. Zum ersten Schützenfest nach dem 1. Weltkrieg im Jahre 1920 waren lediglich 5 Jägerzüge unter Hauptmann Reinartz angetreten. Sie defilierten vor dem 1913 ermittelten, mittlerweile 91 jährigen Schützenkönig Jakob Wiertz, dem ältesten, in den Annalen des Vereins geführten König

Wie bereits zu lesen, unterlag die Korpsspitze häufigen Wechseln und stabilisierte sich erst im letzen Jahrzehnt des Jahrhunderts, als der Gastwirt Gerhard Wegmann die Führung übernahm. Ihm folgte von 1904 – 1913 der Gastwirt Jakob Schriddels. Von 1920 – 1932 ritt der Gastwirt Wilhelm Schmitz von der Büttger Straße dem Korps voran. 1933 übernahm Bäckermeister Quirin Heck als Major das Kommando. „Hecke Papp“, wie er allseits genannt wurde, nahm auch nach dem zweiten Weltkrieg wieder die Zügel in die Hand. Unter seiner Führung ließ, trotz aller Hindernisse, der Aufstieg des Korps nicht auf sich warten. Das Jägerkorps, das beim ersten Schützenfest 1949 mit 16 Zügen aufmarschierte, entwickelte sich bis 1954, mit 65 Zügen, zum stärksten Korps im Regiment. Unter Führung von Major Hubert Becker und Adjutant Heinz Peter Jansen setzte sich die einmalige Entwicklung fort, um sich bei einer Stärke von 75 Zügen und 1100 Jägern einzupendeln.
Im Jahre 1973, als Major Hubert Becker schwer erkrankt war, wird Heinz Peter Jansen mit der kommissarischen Führung des Korps betraut. Da er diese Aufgabe hervoragend löste, wurde er noch im selben Jahr auf der Jahreshauptversammlung zum Major und 1. Vorsitzenden des Korps gewählt. Nach 36 Jahren erfolgreichen Wirkens an der Spitze des Neusser Jägerkorps, trat Heinz Peter 1999 von seinen Ämtern zurück. Für seinen außergewöhnlichen Einsatz für Korps und Schützenwesen wurde er zum Ehrenmajor gewählt.
Als sein Nachfolger wurde Gerd Scheulen aus dem Jägerzug „Munteres Rehlein“ gewählt. Als Gerd Scheulen 2008 aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärte, wurde Hans-Jürgen Hall zum neuen Major des Neusser Jägerkorps von 1823 gewählt.

Zur Jahreshauptvwersammlung 2016 dann ein erneuter Majorswechsel. Major Hans-Jürgen Hall hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass er sich aus aus gesundheitlichen Gründen bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr zu Wahl stellen würde. Als sein Nachfolger wurde der 32-jährige Metgermeister Rene Matzner gewählt, der seither die Geschicke des Korps als Major und 1. Vorsitzender leitet.

Die Schützenkönige aus dem Neusser Jägerkorps

1845/46 Everhard Dünbier
1879/80 Hermann Thomas
1883/84 August Streffing, Jägermajor
1929/30 Heinrich Tives, Jägerzug „von Lützow“
1950/51 Bernhard Koch, Jägerzug „Hermann Löns“
1951/52 Carl Arthur Boetticher, Jägerzug „Hermann Löns“
1962/63 Heinrich Lentz, Jägerzug „Freiwild“
1974/75 Gerd Josef Koch, Jägerzug „Munteres Rehlein“
1976/77 Willy Hüning, Jägerzug, „Annemarie“
1978/79 Heinz-Peter Jansen, Jägermajor
1984/85 Holger Busch, Fahnenkompanie
1986/87 Josef Krings, Jägerzug „Enzian“
1987/88 Werner Twelker, Jägerzug „Halali“
1994/95 Bernhard Meier, Jägerzug „Mer könne et och“
2002/03 Josef Brinker, Jägerzug „Heimattreue“